„Ein wegweisender Beschluss“, so Waltraud Friedemann, Vorsitzende des SPD-Unterbezirks Hildesheim. „Und gleichzeitig ist es Verpflichtung für die Zukunft, bei Gleichstellung in allen gesellschaftlichen Bereichen nicht nachzulassen.“

Mit dem Beschluss des Münsteraner Bundesparteitages ging 1988 eine lange, intensive und kontroverse Diskussion innerhalb der SPD zu Ende. Trotz dieser Kontroverse wurde der Beschluss damals mit 87% der Delegiertenstimmen und damit mit deutlicher Mehrheit angenommen.

„Es war ein wichtiger Beschluss in dessen Folge es gelungen ist, eine deutlich stärkere Vertretung von Frauen in Gremien und Fraktionen unserer Partei zu erreichen“, betont Waltraud Friedemann. „Frauen- und gleichstellungspolitische Positionen wurden gestärkt, die Lebenssituationen von Frauen kamen zu Wort und fanden sich damit in der Politik wieder.“ Waltraud Friedemann verweist jedoch gleichzeitig auch auf ihre Erfahrungen bei der Umsetzung der Quotierungsregelung in der eigenen Partei. „Es war mitnichten so, dass die Quote durchweg auf Zustimmung und Akzeptanz stieß“, so Waltraud Friedemann. „Man stieß auf Vorbehalte, politisch, aber auch persönlich. Einfach war es nicht.“ Die Geschlechterquote habe sich jedoch in den zurückliegenden dreißig Jahren als erfolgreiches Instrument erwiesen.

Brigitte Zimmermann, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) im Unterbezirk Hildesheim, schließt sich dieser Einschätzung an, sieht jedoch Handlungsbedarf. „Es ist wichtig, dass wir die Quotenregelung haben, es ist ein wichtiges Instrument“, so Brigitte Zimmermann. „Gleichwohl müssen wir auch unsere Strukturen so verändern und attraktiver machen, dass Frauen Motivation haben, sich bei uns zu engagieren und einzubringen.“

Für Waltraud Friedemann bedeutet der Rückblick auf die zurückliegenden Erfahrungen mit der Geschlechterquote kein Zurücklehnen. „Die damaligen Auseinandersetzungen sind auch eine Verpflichtung für die Zukunft“, unterstreicht Waltraud Friedemann. Das gelte für innerparteiliche Entwicklungen, das gelte erst recht aber für gesellschaftspolitische Themen. „Wir müssen Fragen der Gleichberechtigung, die auf gar keinen Fall Nebenthemen sind, wieder verstärkt in den Fokus unserer Politik rücken.“ Als konkretes Beispiel nennt sie die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern bei gleicher Arbeit. „Dass wir seit Jahren die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern thematisieren, dass wir seit langer Zeit beklagen, dass Frauen im Durchschnitt 21 Prozent weniger verdienen und sich nichts ändert, ist ein Skandal“, so Waltraud Friedemann. Hier müsse die Politik handeln und hier müsse die SPD Änderungen einfordern und durchsetzen.